Die drei Sekunden

Traditionell startet mein Motorsportjahr mit dem 6h-Rennen auf der Kartbahn Bad Rappenau. Florian Franz von Drift.de lädt ein und jedes Jahr findet sich ein bunt gemischtes Starterfeld zusammen: von Gelegenheitsfahrern über Drifter bis hin zu ambitionierten Kart-Teams aus der TKC. Insgesamt ist es aber immer eine sehr faire Veranstaltung, bei der der Spaß am Motorsport im Vordergrund steht. In den letzten beiden Jahren sind wir sogar mit zwei Teams gestartet und saßen die meiste Zeit im Kart. Dieses Mal gehen wir ganz entspannt mit einem Team an den Start und teilen uns die 6 Stunden zu viert auf. Natürlich wollen wir als Titelverteidiger wieder vorne mitfahren. Wir wissen allerdings noch nicht, dass das heute alles andere als entspannt wird.

Der Sprung ins kalte Kart

Seit dem letzten Jahr wurde die Streckenführung komplett umgebaut. Ich habe schon ein paar Runden gedreht, meine Teamkollegen müssen in den 45 Minuten Qualifying zuerst die Strecke kennenlernen. Tobias Theil startet auf der kalten Strecke und kommt auf Anhieb super zurecht. Er kann uns vorläufig auf Platz 1 fahren. Marc Ensmann knüpft daran an und findet seinen Rhythmus auf der neuen Strecke. Alex Fielenbach nutzt es hervorragend aus, dass die Strecke immer wärmer wird. Ohne viel Eingewöhnung fährt er direkt eine richtig schnelle Runde. In den letzten Minuten starte ich noch einen Versuch unsere Zeit weiter zu verbessern. Ich treffe die Zeit von Alex auf die Hundertstel genau. Damit holen wir uns Startplatz 3 und stellen uns auf ein spannendes Rennen ein.

Turbulente Startphase

Für den Start setzen wir Tobias ins Kart, der im Getümmel am Anfang die Übersicht behalten soll. Genau das macht er auch und setzt sich in der Spitzengruppe fest. Tobias jagt Torsten Krügell und hat selbst Florian im Nacken. Dann nimmt der Dreikampf eine unerwartete Wendung. Am Vorabend hat es stark geregnet und am Streckenrand steht noch ein Eimer zum Auffangen des Wassers. Ein Streckenposten will den Eimer jetzt wegräumen und nimmt ihn hoch. Dabei kippt der Eimer und der gesamte Inhalt verteilt sich auf der Strecke. Genau in diesem Moment kommt die Dreiergruppe um die Ecke. Torsten fährt in die Wasserlache, die Reifen verlieren komplett den Grip und er rutscht geradeaus in die Bande. Tobias kann sich noch retten und fährt vorsichtig an Torsten vorbei. So gewinnen wir völlig überraschend eine Position. Tobias will Torsten wieder vorbeilassen, doch der signalisiert von hinten: Weiter geht's! Dafür dreht in den folgenden Runden Nico Castrup vom Team limitedslip.de auf. Von Startplatz 7 noch etwas zurückhaltend gestartet, hat er jetzt sein Renntempo gefunden. Er fliegt über die Strecke und Tobias muss ihn ziehen lassen. Wir halten aber weiterhin den Kurs aufs Podium.

Der Zweikampf spitzt sich zu

Immer zur vollen Stunde werden die Karts und die Fahrer gewechselt. Alex übernimmt für die zweite Rennstunde und das Feld wird nun doch etwas auseinander gezogen. Wir übernehmen zum ersten Mal die Führung und Marc kann auch in der dritten Stunde vorne bleiben. Danach bin ich dran und an der Spitze kristallisiert sich ein Zweikampf heraus. Wir haben nur noch weniger als 10 Sekunden Vorsprung auf Platz 2. Das Team der BlackCrows macht richtig Druck und lässt uns keine Verschnaufpause. In kleinen Schritten kommt der Verfolger immer näher und ich muss ihn schließlich vorbeilassen. Nach mir liefert Tobias nochmal einen super Stint ab und hält den Anschluss an die BlackCrows. Wir liegen nun auf Platz 2 und haben viel Vorsprung auf Platz 3. In die letzte Rennstunde gehen wir mit 20 Sekunden Rückstand. Das wird eine Herausforderung bis zum Ziel.

Aufholjagd bis zur Ziellinie

Beim Kartwechsel springt Alex rein und wird nun eine Stunde volle Attacke fahren, um irgendwie die 20 Sekunden aufzuholen. Die ersten Runden sind vielversprechend, das Kart geht gut und er kann direkt schnelle Rundenzeiten fahren. Die BlackCrows bekommen das Kart, das ich vor zwei Stunden hatte. Ich habe mich damit schon schwer getan und anscheinend sind damit keine Spitzenzeiten möglich. So kann Alex immer wieder ein paar Zehntel gutmachen. Er sieht das natürlich auch auf der Anzeigetafel und dreht jetzt richtig auf. 10 Minuten vor Schluss ist es dann so weit: Alex ist jetzt direkt dran und sucht eine Chance zum Überholen. Die ersten Versuche klappen nicht und es sieht so aus, als ob uns die Zeit ausgeht. Doch dann setzt Alex einen Überraschungsangriff und kann sich daneben setzen. Auch in der folgenden Kurve bleibt er vorne und wir sind wieder in Führung. In den Runden danach kann sich Alex minimal absetzen. Nach 6 Stunden retten wir einen Vorsprung von 3,75 Sekunden über die Ziellinie. Nach 6 Stunden nur 3,75 Sekunden! Ein verrücktes Rennen mit einem glücklichen Ende für uns. Vielen Dank an alle für einen super Tag auf der Kartbahn! Wir hatten wieder viel Spaß und der Siegerpokal ist natürlich auch ein schöner Bonus. Der perfekte Auftakt ins neue Jahr. Das siegreiche Team: Alex Fielenbach, Tobias Theil, Marc Ensmann und Christoph Magg.

Autor & Quelle: Christoph Magg

Hier gehts zum Indoor Kart-Pokal in Bad Rappenau am 09.01.2021