Als für den Focus RS ein Driftmodus angekündigt wurde, konnten wir es natürlich nicht erwarten, dieses Fahrzeug irgendwann bei einem unserer Trainings erleben zu dürfen. Grundsätzlich sollten die Gene des Focus RS brauchbare Voraussetzungen für einen Allraddrifter bieten. 350 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment stehen zur Verfügung, bis zu 70 Prozent der Antriebskraft sollen auf die Hinterachse verteilt werden können. Und das funktioniert auch in der Praxis recht gut. Wie bei den meisten anderen Allradlern, die ihre Kraft anfangs auf die Vorderräder verteilen, muss das Einfahrtstempo auf der Gleitfläche anfangs sehr niedrig sein, damit kein Vorderachsdrift draus wird. Dann geht die Kraftverteilung aber doch recht zügig Richtung Hinterachse.

Der Driftmode ist eine ganz lustige Sache, wenn man einfach nur gefühllos aufs Gas steigen kann. Dann regelt einem das ESP den Focus in einen ansehnlichen Driftwinkel. Der erfahrene Allrad-Drifter bekommt das aber komplett ohne ESP auch hin. Ohne ESP dreht das Auto auch noch etwas weniger untersteuernd ein. Gerade auf den Gleitflächen des Basic-Trainings stören die Bremseingriffe des Driftmode massiv. Wirklich lustige Allrad-Driftwinkel von 90 Grad sind dem Driftmode schon lange nicht mehr ganz geheuer und werden durch Bremseingriffe beendet. Zum Glück geht das ESP auch komplett raus. Wie bei vielen Allradlern braucht der Basic-Teilnehmer viel Geduld. Dreher kommen praktisch kaum vor. Einmal etwas zu früh oder zu stark am Gas, schon ist das Auto wieder gerade. Wer sich beherrschen kann, bekommt aber irgendwann echt coole Fahrsituationen hin.

Auf Asphalt lässt sich der Focus RS auch zum Driften überreden. Für Kreisdrifts darf man vor allem bei griffigem Asphalt nicht sehr viel Winkel fahren, sonst geht der Schwung aus. Auf die Dauer ist das aber auch bei stark bewässertem Asphalt nicht mehr wirklich verschleißfrei. Wer seine Reifen noch braucht, sollte sich beim Asphalt-Teil des Basic-Trainings zurückhalten. Für das Advanced-Training ist ein Wechsel auf preiswerte China-Reifen zu empfehlen. Da geht es nicht nur um den Verlust von 2-3 Millimetern Profil. Der Focus RS will auf Asphalt getreten werden, da reißt es schon mal den einen oder anderen Profilblock raus, wenn Grip gegen Leistung kämpft.

Der Focus RS hält für mich, was wir uns von ihm versprochen haben. Er ist ein witziger Allradler, der auch bei einem Drifttraining eine gute Figur macht. Mit dem nicht nur der Fahrer viel Spaß hat, sondern auch die Zuschauer. Wer einfach nur seinen RS kennen lernen will, kommt zum Basic-Training. Wer Freude am Reifenverschleiß hat, hängt noch das Advanced an.